Green IT - Stromsparen am PC

Lange Zeit zählte im IT-Bereich nur die möglichst große Leistung der Produkte. In den letzten Jahren sind allerdings Klimawandel und steigende Energiepreise zunehmend in das Bewusstsein der Käufer gerückt, und das ist auch von den Herstellern nicht unbemerkt geblieben. Die Folge: die umweltschonende Herstellung, Entsorgung und derzeit aber vor allem die Energieeffizienz von Elektronikartikeln werden auch für die IT-Industrie immer wichtiger. Diese Entwicklung wird unter dem Begriff "Green IT" zusammengefasst, also "Grüne Informationstechnologie". Dabei geht es für die Hersteller neben dem verbesserten, grünen Firmenimage bei umweltbewussten Käufern nicht zuletzt auch um das Verkaufargument hoher Energiekosteneinsparungen bei Großabnehmern und die Einhaltung von strenger werdenden gesetzlichen Vorschriften.

Aber auch für Einzelanwender ist das Thema durchaus interessant, denn selbst im kleinen Rahmen lässt sich mit der umweltbewussten Anschaffung und Nutzung von Elektronik und vor allem PCs einiges an Strom sparen und damit etwas für die Umwelt und auch den Geldbeutel tun. Ein Mittelklasse-PC benötigt etwa 50 bis 100 Watt, auch wenn er nur angeschaltet ist, aber nicht genutzt wird. Ist das für grob zwei Stunden pro Tag der Fall, bezahlen Sie im Jahr etwa 10 Euro - allein für die heiße Luft, die Ihr PC in dieser Zeit produziert. Das mag auf den ersten Blick nicht viel erscheinen, addiert sich durch die riesige Zahl der in deutschen Haushalten und Büros vorhandenen PCs aber zu gewaltigen Summen und einem völlig unnötigen Energieverbrauch fürs reine Nichtstun.

In diesem Berater informieren wir Sie deshalb über effektive Stromsparmöglichkeiten bei jedem System und die wichtigsten Tipps und Umweltsiegel, die Ihnen beim umweltbewussten IT-Einkauf helfen können.

Energieeffiziente Hardware

Um Elektronik möglichst umweltfreundlich zu nutzen, müssen Sie nicht gleich ein neues, besonders energieeffizientes Gerät anschaffen. Zum einen dauert es sehr lange, bis sich die Anschaffungskosten durch die eingesparten Stromkosten wieder rechnen, zum anderen wird für die Herstellung eines PCs und anderer Geräte weit mehr Energie verbraucht, als diese bei einer üblichen Nutzungsdauer von wenigen Jahren verbrauchen. Für die Ökobilanz ist es also besser, bestehende Geräte möglichst lange zu nutzen - und das möglichst energiesparend.

Genügt Ihre alte Hardware Ihren Ansprüchen trotzdem nicht mehr, was alleine schon durch immer weiter steigende Software-Anforderungen alle 3-4 Jahre der Fall sein kann, dann sollten Sie vor dem Kauf neuer Hardware einige Hinweise und Tipps beachten.

Generell ist es beim Kauf neuer Geräte oder Komponenten wichtig, auf die Verbrauchswerte zu achten. Sind die besonders hoch, wird auch in den Testberichten bei billiger.de häufig explizit darauf hingewiesen. Auch die Auszeichnung mit verschiedenen Umweltzeichen ist ein Anhaltspunkt für den Verbrauch eines Geräts. Informationen zu diesen Prüfsiegeln finden Sie weiter unten in diesem Text.

Desktop-PC oder Notebook?

Notebook
Stromsparend

Beim Kauf eines neuen Rechners haben Sie die Wahl zwischen einem Notebook und einem Desktop-PC. Notebooks verbrauchen bis zu 70% weniger Strom als vergleichbare Desktop-PCs, weil sie speziell darauf ausgelegt sind, möglichst energiesparend zu arbeiten, um so möglichst lange mit einem Akku betrieben werden zu können. Daneben gelten natürlich die weiteren Vorteile der Notebooks: Sie sind mobil, leicht, leise und sparen auch jede Menge Platz. Auf der anderen Seite kosten Notebooks auch mehr als ein PC mit gleicher Leistung, und sie sind kaum aufrüstbar und weniger flexibel was die Komponentenwahl angeht.

Desktop-PC
Stromhungrig

Einen Desktop-PC können Sie sich dagegen aus den gewünschten Einzelteilen zusammenstellen lassen, oder zumindest aus einer wesentlich größeren Zahl fertiger Angebote wählen, gerade wenn Sie das System auch für aktuelle Spiele nutzen möchten. Aber auch beim Aufrüsten eines alten PCs ist der Aspekt Stromsparen interessant. Zu den größten Stromfressern in einem Desktop-PCs zählen dabei die Grafikkarte und der Prozessor. Als Faustregel gilt dabei: Je leistungsfähiger die Komponente, desto mehr Strom verbraucht sie auch. Aber auch bei den Netzteilen selbst lohnt sich ein Blick auf die Verbrauchswerte.

Onboard-Grafik oder eigenständige Karte?

Vor allem beim Punkt Grafik ist für Käufer eines neuen PC die Frage wichtig, ob Sie mit einem auf dem Mainboard (der Hauptplatine) integrierten, sehr sparsamen Grafikchip auskommen, wie er in vielen günstigen Komplettsystemen enthalten ist, oder eine eigenständige Grafikkarte benötigen.

Ein integrierter (oder "onboard") Grafikchip genügt in der Regel für Office-und Internet-Anwendungen sowie einfache Multimediaprogramme. Wollen Sie einen TFT-Monitor an den PC anschließen, ist für die optimale Bildqualität ein Mainboard mit DVI-Ausgang zu empfehlen. Die meisten TFT-Monitore bieten auch die Möglichkeit, sie per VGA-Kabel (D-Sub-Anschluss) zu versorgen, dann aber mit verringerter Grafikqualität.

Grafikkarte
High-End-Grafikkarte:
Stromkiller mit Prachtoptik

Eine preiswerte und mit mehr Ausgängen (TV-Out, HDMI) ausgestattete Alternative zum integrierten Chip sind die eigenständigen Grafikkarten im unteren Preissegment ab 30 Euro. Auch sie sind für Standard-Anwendungen geeignet und mit maximal 50 Watt Strombedarf vergleichsweise sparsam. Nur neuere 3D-Spiele sollte man den günstigen Karten mit ihren 128 bis 256 MB Speicher nicht zumuten.

Wer auf diesen Zeitvertreib zurückgreifen möchte, benötigt mindestens eine Grafikkarte der Mittelklasse (Stand April 2008) mit 256, 512 oder 640 MB Speicher. Diese Karten sind ab etwa 100 Euro zu haben und verbrauchen ordentliche 50 bis 100 Watt. Auf Ihnen laufen die meisten neuen Spiele mit solider Qualität.

Wahre Stromkiller sind dagegen die High-End-Karten für die allerneusten Spiele in bester Qualität, die ab etwa 200 Euro kosten und 200 Watt oder mehr verbrauchen können, nicht zuletzt durch die erforderliche Kühlung. Von Strom sparen kann hier also keine Rede mehr sein - erst recht nicht, wenn zwei dieser Karten in einem Rechner zum Einsatz kommen, was in nicht wenigen Spiele-Maschinen der Fall ist.

Prozessor: Rechenkraft mit Stromhunger

Auch der Prozessor (die CPU = Central Processing Unit), also die zentrale Recheneinheit des PC, benötigt einiges an Strom, in einem Desktop-PC je nach Modell zwischen 45 und 130 Watt. Generell gilt auch hier: Je höher die Rechenleistung, desto mehr Strom verbraucht der Prozessor. Allerdings geht der Trend bei den CPUs in letzter Zeit weg von immer höheren Taktfrequenzen und hin zu einer Verringerung des Verbrauchs bei gleicher Leistung. Nicht zu empfehlen sind also Prozessoren älterer Generationen, etwa Intels Pentium. Achten Sie beim Zusammenstellen eines neuen PCs also auch auf die Angaben zur Leistungsaufnahme.

Besonders Strom sparende Prozessoren bei ausreichender Leistung für Office und Internet sind Intels Core-2-Duo-Modelle der E4000-Reihe und AMDs Sempron-Prozessoren, vor allem die der "Sparta"-Serie. Im Mittelklasse-Bereich für fast alle Aufgaben finden sich Intels größere Core-2-Duo-CPUs und die Athlon-X2-Modelle von AMD.

Röhren-Monitor oder Flachbildschirm?

Flachbildschirm
Sparsamer als Röhre

Auch beim Monitor können Sie jede Menge Strom sparen: Flachbildschirme (TFT- oder LCD-Monitore) verbrauchen bis zu 70% weniger Strom als die alten Röhrenmonitore, die aber ohnehin kaum noch neu gebaut werden und heutzutage nur für spezielle Anwendungen relevant sind, etwa für die professionelle Bildbearbeitung. Wegen der eingangs bereits erwähnten Ökobilanz ist das ist allerdings nicht Grund genug, einen noch funktionierenden Röhrenmonitor sofort durch einen TFT-Monitor zu ersetzen. Sollten Sie jedoch einen neuen Monitor brauchen, so achten Sie auch hier auf die Verbrauchswerte.

Hardware energieeffizient nutzen

Ob alt oder neu: mit einigen einfachen Mitteln können Sie in jedem Fall jede Menge Strom sparen. Hier die wichtigsten Tipps:

Energieoptionen nutzen

Bei jedem Betriebssystem haben Sie die Möglichkeit, bestimmte "Energieoptionen" einzustellen. Bei Windows XP finden Sie diese unter Start > Einstellungen > Systemsteuerung > Energieoptionen, bei Vista unter Start > Systemsteuerung > Hardware und Sound > Energieoptionen.

Hier empfiehlt es sich festzulegen, dass der PC nach 5 oder 10 Minuten der Untätigkeit automatisch in einen Energiesparmodus wechselt. So müssen Sie sich bei Pausen nicht jedes Mal durch Menüs klicken.

xp_standby

Auch ohne diese automatische Einstellung sollten Sie den Standby-Modus ("Energie sparen" unter Vista) nutzen, selbst bei kurzen Pausen. Klicken Sie auf Start > Ausschalten > Standby/Energie sparen. Hierbei wird der aktuelle Systemzustand im Arbeitsspeicher (RAM) des PCs gespeichert und alle anderen Komponenten abgeschaltet. Der Stromverbrauch sinkt dadurch deutlich. Ein weiterer Vorteil ist, dass das System schneller wieder zur Verfügung steht als bei einem kompletten Abschalten oder dem Wechsel in den Ruhezustand.

Wird der PC in den Ruhezustand versetzt, wird der Systemzustand auf der Festplatte geschrieben und der PC wird komplett ausgeschaltet. Das Aufwachen aus dem Ruhezustand dauert dann allerdings auch länger als aus dem Standby-Modus. Andererseits kann der PC im Ruhezustand komplett vom Stromnetz getrennt werden. Gegebenenfalls müssen Sie die Verfügbarkeit des Ruhezustands in den Energieoptionen aktivieren.

Schalten Sie einfach mal ab - und zwar richtig

Steckdosenleiste
Slave-Steckdosenleiste:
Abschalt-Lösung

Auch im Ruhezustand oder nach dem Herunterfahren verbraucht der Rechner weiterhin Strom, und zwar zwischen 2 und im Extremfall 10 Watt. Dieser Zustand wird deshalb auch als "Schein-Aus" bezeichnet. Um diesen unnötigen Verbrauch zu umgehen, können Sie den Schalter am Netzteil des PCs umlegen, der aber meist schlecht erreichbar ist, weil der PC unter dem Tisch steht. Stattdessen empfiehlt sich der Einsatz einer Steckerleiste mit Schalter, die auch mit praktischen Fuß- oder Tischschaltern erhältlich sind. Die eleganteste, wenn auch etwas teurere Lösung sind die so genannten Master-Slave-Steckdosenleisten: diese haben eine Hauptsteckdose für den PC (den Master) und mehrere Nebensteckdosen für Peripheriegeräte (die Slaves). Wird der Master ausgeschaltet, dann werden alle anderen Geräte ebenfalls vom Netz getrennt.

Anhand solcher schaltbaren Steckerleisten können Sie also nicht nur den PC, sondern auch gleich alle Peripheriegeräte wie Monitor, Router/Modem oder Laserdrucker komplett vom Stromnetz trennen. Das ist ein großer Vorteil, weil auch diese Geräte im "Schein-Aus"-Zustand noch einiges an Strom verbrauchen. Nicht zu empfehlen ist die komplette Trennung vom Stromnetz allerdings bei einigen Tintenstrahldruckern, weil diese beim Wiedereinschalten das Tintenleitsystem durchspülen (was Sie anhand von Geräuschen und Bewegungen der Druckköpfe über eine längere Zeit erkennen können). Und das wird bei den hohen Preisen für Druckertinte schnell teuerer als der unnötige Stromverbrauch.

Ausschalten (lassen) statt Bildschirmschoner

Auch Bildschirmschoner - gerade in Form von aufwendigen 3D-Objekten, die vom Prozessor berechnet werden müssen - verbrauchen unnötig Strom und sind auf TFT-Displays zudem völlig unnütz. Stattdessen sollten Sie in der Systemsteuerung unter Anzeige als Bildschirmschoner „Kein“ einstellen und die Kontrolle über den Monitor der Energieverwaltung überlassen. In den "Energieoptionen" können Sie einstellen, nach wie vielen Minuten des Nichtstuns der Monitor abschalten soll. Gerade bei stromgierigen Röhrenmonitoren empfiehlt sich auch hier eine kurze Zeitspanne. Oder Sie schalten den Monitor bei einer Pause mit einem Griff einfach selbst aus.

Öko-Labels

Mit diesen Prüfsiegeln werden die Energieeffizienz und andere Eigenschaften von Elektronikartikeln ausgezeichnet. Die Kriterien sind dabei zum Teil zwar sehr unterschiedlich, als eine erste Orientierungshilfe beim Kauf eines neuen Geräts sind die Siegel aber trotzdem recht nützlich. Hier ein Überblick über die wichtigsten Umweltzeichen:

Blauer Engel

Blauer Engel

Mit dem Blauen Engel werden Angebote und Produkte ausgezeichnet, die besonders umweltfreundlich sind, auch in den Punkten Herstellung, Lebensdauer sowie Entsorgung, und die auch hohe Ansprüche an den Gesundheits- und Arbeitsschutz sowie die Gebrauchstauglichkeit erfüllen.

http://www.blauer-engel.de/

Europäisches Umweltzeichen (EU-Blume)

Europäisches Umweltzeichen (EU-Blume)

Zur Bewertung der Produkte werden unter anderem der Energieverbrauch, die Lebensdauer, die Strahlung und die Nutzerhinweise beurteilt. Besonderer Wert wird auf die Berücksichtigung der gesamten Lebensdauer eines Produkts gelegt, also von der Herstellung bis zur Entsorgung.

http://www.eco-label.com/german/

TÜV ECO-Kreis

TÜV ECO-Kreis

Auch für den ECO-Kreis werden Aspekte wie Strahlungsarmut, Recyclingfähigkeit, Schadstoffreduktion, Energieeffizienz und Lautstärke von international vertriebenen Produkten geprüft. Geräte die mit diesem Siegel ausgezeichnet werden, erfüllen gleichzeitig die Voraussetzungen für das EU-Umweltzeichen.

http://www.tuv.com/de/index.html

TCO

TCO

Das schwedische TCO-Zeichen ist zunächst durch die Auszeichnung von Computermonitoren bekannt geworden, es wird aber auch eine Reihe von anderen Geräten geprüft, darunter auch Desktop-PC und Notebooks. Die vergleichsweise strengen Kriterien reichen von der Ergonomie über die Emissionen bis hin zum Energieverbrauch der Geräte. Auch ökologische Aspekte wie die Materialen und die Recyclingfähigkeit werden getestet.

http://www.tcodevelopment.com/

EU Energy Star

EU Energy Star

Das Energy-Star-Label schreibt gewisse Grenzwerte für den Stromverbrauch in verschiedenen Zuständen eines PC vor. Kritisiert wird, dass diese Grenzwerte im Vergleich zu den technischen Möglichkeiten sehr hoch sind, und dass außerdem keine Prüfung der Herstellerangaben erfolgt. Das Label ist entsprechend weit verbreitet.

http://www.eu-energystar.org/

Hersteller-Rangliste bei Greenpeace

In Ihrem "Guide to Greener Electronics" beurteilt die Umweltschutzorganisation Greenpeace das Verhalten der 18 führenden Hersteller von PCs, Spielekonsolen, Fernsehern und Mobiltelefonen im Bezug auf die Verwendung giftiger Chemikalien, das Recycling der Produkte und eine Reihe von Energieaspekten. Die Rangliste wird alle drei Monate aktualisiert.

Für viele Menschen wird es sicherlich schwer sein, das eigene Kaufverhalten zu verändern. Als Konsument hat man aber genau dadurch Einfluss darauf, die Produktion der Hersteller zu verändern. Wenn keine Nachfrage besteht, werden Dinge nicht mehr produziert.