Huawei FreeBuds 3 im Test: Bieten die Kopfhörer das ultimative Klangerlebnis?

Frau mit Huawei FreeBuds3 und iPhone draußen

Der chinesische Technologie-Konzern Huawei brachte am 18. November 2019 die FreeBuds 3 auf den Markt. Die True-Wireless-Kopfhörer mit Bluetooth und aktiver Geräuschunterdrückung (Active Noise Cancelling) sind zum UVP von 179 Euro erhältlich. Zur Auswahl stehen die Farben Carbonschwarz, Keramikweiß sowie als Special Edition zum Valentinstag Rot. Sie verfügen über einen Kirin-A1-Chip, der eine besonders stabile Verbindung mit Bluetooth 5.1 halten soll.

Die FreeBuds 3 sind In-Ear-Kopfhörer, diese Modelle werden direkt am Gehörgang angebracht. Im Lieferumfang ist auch ein rundes Ladecase enthalten. Das Case dient sowohl zum Laden als auch für den Transport der Ohrhörer. Aufladen kannst Du das Case mit dem mitgelieferten USB-C-Kabel oder wahlweise kabellos an einer Qi-Ladestation. Huawei verspricht 4 Stunden Wiedergabe durch einmaliges Aufladen und 20 Stunden in Kombination mit dem Etui. Das bedeutet, dass Du die Kopfhörer zum Nachladen immer wieder in das Lade-Etui legen musst.

Wie sich die neuen ANC-Kopfhörer im Praxistest schlagen, erfährst Du in unserem Produkttest. Unsere Redakteurin hat die FreeBuds 3 in Carbonschwarz und in Verbindung mit einem iPhone 7 Plus getestet.

Fazit

Huawei hat mit den FreeBuds 3 solide Bluetooth-Kopfhörer im Sortiment. Die ANC-Funktion (aktives Noise Cancelling oder auch Geräuschunterdrückung) ist zwar ein praktisches Feature, funktioniert aber nur bedingt zuverlässig. Bei sehr lauten Umgebungsgeräuschen reicht das ANC durch die offene In-Ear-Form nicht aus. Da diese Funktion Einfluss auf den Gleichgewichtssinn nimmt, kann dies Schwindel und Kopfschmerzen verursachen.

Die Verbindung zum iPhone war nach kurzen Startschwierigkeiten bei der Installation sehr einfach herzustellen. Die Bluetooth-Verbindung ist sehr stabil und auch auf größere Distanz erstaunlich gut.

Das Tragen war sehr angenehm, auch nach längerer Zeit haben sie nicht gedrückt.

Die Akkulaufzeit ist mit knappen 3 Stunden relativ kurz. Mit dem Case allerdings laden die FreeBuds 3 relativ schnell auf, sodass Du schnell wieder weiterhören kannst. Das ist vor allem unterwegs besonders praktisch.

Insgesamt kann ich die FreeBuds 3 von Huawei weiterempfehlen. Vor allem Besitzer mit den neuesten Huawei-Smartphones können die bequemen Funktionen, wie etwa AutoPlay und die individuellen Einstellungen innerhalb der App, in vollem Umfang nutzen.

Sie sind klein, leicht, haben eine sehr gute Verbindung zum Endgerät und sehen edel aus. Der Preis ist aufgrund des Noise Cancelling mit 179 Euro eher hoch, aber dennoch wesentlich günstiger als die Airpods Pro, die einen UVP von 279 Euro haben.

Apple-Nutzer müssen bisher mit kleineren Einschränkungen in der Bedienung rechnen. Eine iOS-App für die FreeBuds 3 gibt es leider (noch) nicht.

Pro und Contra

Die Vor- und Nachteile der FreeBuds 3 von Huawei findest Du in einer übersichtlichen Tabelle zusammengestellt:

ProContra
Hochwertige VerarbeitungRelativ kurze Akkulaufzeit
Schnelle und einfache VerbindungCarbonschwarzes Modell anfällig für Fingerabdrücke
Stabile Bluetooth-VerbindungManche Nutzer reagieren empfindlich auf ANC
Guter SitzNicht alle Funktionen in Verbindung mit iPhones möglich
Individuelle Anpassungen möglich (nur Android)Nicht ideal für Sport
Schnelles Laden im Case
Aktives Noise Cancelling (deaktivierbar)
Laden per kabelloser Ladematte möglich

Optik und Design

Huawei FreeBuds 3 schwarz und weiß

Auf den ersten Blick machen die Kopfhörer und das Ladecase einen hochwertig verarbeiteten Eindruck. Das Case hat ein recht schweres Eigengewicht und liegt dadurch gut in der Hand. Es ist schwarz und hat eine hochglänzende Oberfläche. Die Haptik des schwarzen Kunststoffs ist glatt und sehr angenehm.

Die Form der Ohrstöpsel erinnert stark an die der beliebten Airpods von Apple. Sie sind aus dem gleichen Kunststoff gefertigt wie das Case. Leider werden sowohl am Etui als auch an den Kopfhörern sofort unschöne Fingerabdrücke sichtbar. Ich hatte während des Tests immer das Gefühl, sie polieren zu müssen. Sie sind allerdings sehr robust, Kratzer konnte ich nach 3 Wochen regelmäßigen Gebrauchs nicht feststellen. Um das Case jedoch vor Fingerabdrücken, Kratzern und Stürzen zusätzlich zu schützen, kannst Du auch spezielle Schutzhüllen anbringen.

Tragekomfort

Die Hörer sind offen und ohne zusätzliche Abdichtungen für das Ohr gebaut, umschließen das Ohr nicht und werden in den Gehöreingang eingehängt. Gummistöpsel, wie etwa bei den Airpods Pro, die Außengeräusche mechanisch abdichten und für einen festen Halt sorgen, gibt es hier nicht. Dennoch sitzen sie sehr gut im Ohr. Es entsteht kein Druckgefühl oder das Gefühl, dass ein Stöpsel aus dem Ohr fallen würde. Auch beim Bewegen halten die Buds gut. Wobei der Komfort der Passform bei Kopfhörern sich je nach Träger stark unterscheiden kann.

Einrichtung

ANleitung Einrichten Huawei FreeBuds 3

Da ich bereits einige Bluetooth-Kopfhörer ausprobiert habe, ging ich davon aus, dass die Installation der FreeBuds 3 sehr einfach vonstattengehen würde. Dem war überraschenderweise nicht so.

Da die FreeBuds 3 optisch sehr an Airpods erinnern, erwartete ich, dass die Earbuds von Huawei ebenfalls beim Öffnen des Cases betriebsbereit seien. In Kombination mit Huawei-Smartphones ist dies auch der Fall. Allerdings nur mit Modellen, die die Software-Version EMUI 10 installiert haben. Mit anderen Smartphones, wie etwa einem iPhone oder Samsung, funktioniert das leider nicht.

Ein QR-Code im Inneren der Verpackung soll zu der App „Huawei AI Life“ leiten, mit der die FreeBuds 3 einfach eingerichtet werden sollen. Leider führt der QR-Code mein iPhone zu einer Smart-Home-App von Huawei in Apples App Store, die für diesen Zweck nicht gedacht ist. Denn die Huawei AI Life App ist momentan nur für Android-Geräte verfügbar. Daher musste ich doch die Schnellstart-Anleitung zur Hand nehmen.

Tipp: Die Huawei AI Life App ist im Google Play Store für Android-Geräte verfügbar. In dieser App kannst Du die Einstellungen der Kopfhörer, wie etwa Feintuning des Noise Cancelling oder auch die Funktionen beim Doppeltippen auf die Kopfhörer individuell konfigurieren.

Der Quick Start Guide ist sehr einfach und gut verständlich gehalten:

  1. Lege zum Koppeln mit einem Smartphone, Tablet oder PC die Kopfhörer in das Lade-Etui.
  2. Öffne das Case.
  3. Drücke den kleinen seitlichen Knopf am Case für 2 Sekunden.
    ⇨ Eine LED im Case zwischen den Kopfhörern blinkt weiß. Das bedeutet, dass die Kopfhörer im Koppelmodus sind.
  4. Öffne das Bluetooth-Menü des Endgerätes.
    ⇨ Die Kopfhörer erscheinen als „FreeBuds 3“ in der Bluetooth-Geräteliste.
  5. Wähle die „FreeBuds 3“ aus der Geräteliste aus.
    ⇨ Die Kopfhörer sind mit dem Endgerät verbunden.

Achtung: Bluetooth erlaubt nur eine aktive Verbindung. Möchtest Du die FreeBuds 3 mit einem anderen Gerät koppeln, achte darauf, sie von Deinem aktuellen Gerät zu trennen. Nach dem erstmaligen Koppeln mit einem Gerät merken sich die Kopfhörer die Verbindung und verbinden sich immer automatisch mit dem zuletzt verwendeten Gerät, wenn dieses Bluetooth aktiviert hat. Die Kopfhörer kannst Du ebenfalls im Bluetooth-Menü Deines Endgerätes trennen.

Nach kurzen Start-Schwierigkeiten mit dem QR-Code und der App funktionierte die Einrichtung recht einfach. Dennoch hat sie etwa 5–10 Minuten in Anspruch genommen, was im Vergleich zu anderen Kopfhörern, wie etwa den Apple Airpods oder Teufel Move BT, relativ lange ist.

Funktionen

Schwarze Huawei FreeBuds 3 mit iPhone auf offenen Handflächen

In der Schnellstart-Anleitung werden die beiden möglichen Funktionen erklärt, die durch Tippen auf die einzelnen Ohrhörer möglich sind.

Noise Cancelling

Doppeltippen auf Freebuds 3

Doppeltippen auf den linken Kopfhörer schaltet das aktive Noise Cancelling an und wieder aus. Eine recht angenehme, aber auch etwas langsame Frauenstimme informiert dann darüber, ob die aktive Geräuschunterdrückung aus- oder eingeschaltet ist. Während der lauten Ansage läuft die Wiedergabe im Hintergrund weiter, was leicht störend ist.

Musik-Steuerung

Im Standy-by-Modus startet doppeltes Tippen auf den rechten Kopfhörer die Wiedergabe. Während der Wiedergabe von Musik bringt Dich das Doppeltippen auf den rechten Hörer zum nächsten Titel. Das funktioniert beim Streamingdienst Amazon Music ganz gut. Bei Playlists auf YouTube hingegen passiert beim Doppeltippen nichts.

Telefonate steuern

Beim Telefonieren soll doppeltes Tippen auf den rechten Hörer das Telefonat beenden. Einen eingehenden Anruf kann man so auch entgegennehmen. Leider funktionierte das Auflegen beim meinem iPhone nicht. Dafür konnte ich Anrufe durch Doppeltippen annehmen.

Das Tippen auf den kleinen Kopfhörer erwies sich in der Praxis schwieriger als gedacht. Aufgrund der kleinen Größe war es teilweise schwierig, den Kopfhörer mit dem Finger zu treffen. Ich musste häufiger doppeltippen, damit sie reagieren.

Akkulaufzeit

Huawei wirbt die FreeBuds 3 mit 4 Stunden Laufzeit an. Im geladenen Case können diese dann theoretisch insgesamt 4-mal nachgeladen werden. Somit kommen sie auf eine Wiedergabezeit von 20 Stunden ohne zusätzliche Stromquelle.

In der Praxis war der Akku nach etwa 3 Stunden YouTube-Videos-Schauen bereits leer. Das Nachladen im Case dauerte dafür gerade mal eine knappe Stunde.

Positiv anzumerken ist, dass der Akkustand der Kopfhörer auf dem iPhone-Display angezeigt wird. Durch einen Piepton signalisieren die Kopfhörer zusätzlich, wenn der Akkustand gering ist. Dieser tritt wiederholt auf, bis der Akku aufgebraucht ist.

Sound

Einer der wichtigsten Aspekte eines Kopfhörers ist die Klangqualität. Der Sound der FreeBuds 3 ist ausgesprochen räumlich und voll. Für meinen Geschmack ist der Bass zu dominant.

Die Lautstärke der Kopfhörer am iPhone ist sehr laut einstellbar. Erstaunlicherweise waren die FreeBuds 3 in Verbindung mit einem hp-Laptop sehr leise und das trotz voller Lautstärke.

Beim Telefonieren machen die Huawei-Kopfhörer eine sehr gute Figur. Gespräche waren für mich und meine Anrufpartner klar und deutlich hörbar.

Ein markantes Feature der FreeBuds 3 ist das aktive Noise Cancelling (ANC). Es soll alle Störgeräusche von außen durch Gegenschall ausblenden. Beim Einschalten der Funktion ist ein deutliches Rauschen hörbar. Beim Musikhören fällt auf, dass die Lautstärke erhöht wird und die Bässe noch intensiver durchkommen. Normale Alltagsgeräusche werden durch das ANC ganz gut ausgeglichen. Schritte, Tippen auf der Tastatur oder Gespräche bei normaler Lautstärke fallen nicht mehr so stark auf. Allerdings kommt es hier auf die Art der Musik an, wie gut das Ganze funktioniert. Bei basslastigen Pop-Songs waren keine Umgebungsgeräusche mehr zu hören, bei Klassik hingegen funktionierte die Geräuschunterdrückung nicht ideal. Das liegt unter anderem auch an der offenen Form des Hörers, der den Gehöreingang nicht komplett abdichtet und somit immer ein Stück weit offen ist.

Achtung: Nach längerem Hören mit aktiviertem ANC wurde mir schwindelig und ich bekam Kopfschmerzen. Die „künstliche Stille“, die das ANC erzeugt, wirkt sich auf den Gleichgewichtssinn aus. Manche Menschen reagieren empfindlich darauf, andere beeinflusst es gar nicht.

Handhabung

Nach der ersten Installation bzw. der ersten Verbindung mit meinem iPhone ist das erneute Koppeln der FreeBuds 3 mit dem Smartphone sehr einfach: Bluetooth am Smartphone einschalten, Kopfhörer-Case öffnen, fertig. Das Doppeltippen an den Kopfhörern ist in der Schnellstart-Anleitung einfach erklärt und bebildert, weshalb es hier keine Probleme gab.

Leider lässt sich die Lautstärke nicht direkt an den Kopfhörern verändern, sondern muss am Endgerät reguliert werden.

Laut Herstellerangabe sollen neuere Huawei-Smartphones die praktische AutoPlay-Funktion unterstützen. Diese erkennt, wenn der Kopfhörer aus dem Ohr genommen wird und stoppt die Wiedergabe. Sobald der Kopfhörer wieder im Ohr sitzt, wird die Wiedergabe automatisch fortgesetzt. Eine sehr nützliche Funktion, die beim iPhone leider nicht funktioniert. Die FreeBuds 3 geben zwar einen dezenten Signalton beim Einsetzen ins Ohr von sich, dies hat auf die Wiedergabe allerdings keinen Einfluss. Das heißt, dass die Wiedergabe am iPhone direkt gesteuert werden muss.

Bluetooth-Verbindung

Kabelloses Musikhören oder Videoschauen ist mit den FreeBuds 3 besonders bequem, da Du Dich nicht am Kabel verfangen kannst. Beim Kochen beispielsweise hatte ich mit den kabelgebundenen Earpods, die beim iPhone im Lieferumfang enthalten sind, immer das Problem, dass ich mein Handy in der Hosentasche tragen musste und das Kabel entsprechend lose am Oberkörper herumbaumelte. Mit diesem Kabel blieb ich regelmäßig an den Küchengriffen hängen und die Kopfhörer fielen aus den Ohren. Ganz ohne Kabel passieren solche Szenarien nicht mehr und es erleichtert das Musikhören ungemein.

Mit einer Bluetooth-Verbindung liegt das iPhone auf der Arbeitsplatte, ich kann die Wiedergabe und die Lautstärke problemlos steuern und die Kopfhörer bleiben in den Ohren.

Die Bluetooth-Verbindung der Kopfhörer zum iPhone war sehr stabil. Bei der Wiedergabe kam es zu keinerlei Abbrüchen oder unangenehmem Rauschen. Auch die Reichweite war überraschend hoch, so konnte ich mich frei in der Wohnung bewegen und das Handy liegen lassen, ohne dass es zu Störungen kam. Draußen, also ohne Störungsfaktoren, wie etwa Wände, fing die Verbindung erst nach etwa 50-60 Metern an zu ruckeln. Das ist ein sehr guter Wert im Vergleich etwa zu den Teufel Move BT. Diese brachen bereits nach etwa 20 Metern die Wiedergabe ab.

Beim Videostreaming auf Netflix war keine Verzögerung festzustellen. Es gab somit kein Lip-Sync-Problem. Das bedeutet, dass die Mundbewegungen im Video und der Ton zusammengepasst haben.

Anwendungsbereich

Die FreeBuds 3 eigenen sich für viele Alltagssituationen. Ob Zuhause, im Büro oder unterwegs. Zum Joggen kannst Du sie mit einer Mütze, wie etwa einem Beanie, etwas fixieren. So sitzen sie auch recht fest am Kopf. Bei ruckartigen Kopfbewegungen fallen sie jedoch relativ schnell aus den Ohren.

Als Headset zum Telefonieren, wie etwa beim Autofahren, eignen sie sich durch die ausgesprochen gute Sprachqualität auch ideal.