Winterreifen RatgeberDie Geschichte des Gummireifens in der Form wie man ihn heute kennt, geht auf das Jahr 1888 zurück, in dem John Boyd Dunlop das erste Patent für einen Fahrradluftreifen anmeldete. Weitere Innovationen folgten. Unter anderem die Erfindung von Spikes für mehr Grip im Winter, die Einfügung eines Gewebes, um die Stabilität des Reifens und Haltbarkeit der Lauffläche zu erhöhen und nicht zuletzt der erste Profilreifen im Jahre 1959.
Ein moderner Winterreifen unterscheidet sich vom Sommerreifen in seiner weicheren Gummimischung und dem gröberen Profil, das auf Schnee und Eis ausgelegt ist. Weitere Kategorien sind Ganzjahresreifen, Geländereifen, runderneuerte Reifen, Spikereifen und so genannte Run Flat-Reifen, die auch bei Druckverlust noch Notlaufeigenschaften aufweisen.
Mit dieser Kaufberatung möchten wir Ihnen einen tieferen Einblick zum Thema Winterreifen vermitteln und Ihnen dabei helfen, den richtigen Reifen für die kalte Jahreszeit zu finden.
Kauf eines Winterreifens
Zunächst einmal sollten Sie die für das entsprechende Fahrzeug zugelassenen Größen ermitteln. Seit der neuen Zulassungsbescheinigung vom 1. Oktober 2005 findet sich in dieser nur noch eine Reifengröße, obwohl durchaus mehrere zugelassen sind. Alle möglichen Reifengrößen finden Sie im fahrzeugspezifischen COC-Papier. Die Kennzeichnung der Reifen erfolgt nach einem allgemein üblichen Schema.
Beispielsweise könnte die Bezeichnung folgendermaßen lauten: 195/65R15 91H. An der ersten Zahl erkennen Sie die Reifenbreite in mm. Die Zahl nach dem Schrägstrich zeigt das Höhen-Breitenverhältnis in Prozent. Der erste Buchstabe steht für die Bauart, in diesem Fall R für Radialreifen, gefolgt von der 15, welche die Felgengröße angibt. Darauf schließt sich der Lastindex (91), dem man aus Tabellen die maximale Traglast des Reifens entnehmen kann, an. Der letzte Buchstabe beschreibt die Geschwindigkeitskategorie.
Für Sie ist es wichtig, dass der Reifen folgende Voraussetzungen hat:
- Er muss auch bei Glätte gut haften
- Er sollte für längere Fahrten geeignet sein
- Er sollte sich außerdem an die gesetzlichen Bestimmungen halten
Winterreifen haben im Gegensatz zu Sommerreifen einen etwas anderen Aufbau. Wenn Sie sich am Winterpneu orientieren, ist das schon mal nicht schlecht. Es gibt allerdings auch gesetzliche Regelungen, die Sie beim Fahren mit Winterreifen beachten sollten.
Aufbau eines Reifens Ein moderner Autoreifen ist in der Regel schlauchlos. Das heißt, allein die Abdichtung zwischen Reifen und Felge ergibt die Aufrechterhaltung des Innendruckes. Ein Reifen besteht in seinen sichtbaren Anteilen aus der Lauffläche, die sich im Profil und der Gummimischung zwischen Sommer- und Winterreifen unterscheiden und der Seitenwand. Im Inneren befindet sich die Karkasse, das Gerüst des Reifens mit Stabilisierungen aus Stahl- oder Nylongeflechten. Außerdem wird zwischen dem Wulst, der für die nötige Abdichtung zur Felge sorgt, und der Innenschicht, die verhindert, dass Luft durch das Gummi nach außen dringt, unterschieden.
Grundsätzlich lassen sich Autoreifen in Diagonal- und Radialreifen unterscheiden. Bis in die 80er Jahre war der Diagonalreifentyp der Standard in der Automobilwelt. Dieser Reifen weist mehrere, schräg überkreuzte Karkassenlagen auf. Im heutigen Reifenmarkt sind diese bis auf wenige Ausnahmen verschwunden. Nur bei einigen Geländereifen, Oldtimerreifen und Sportreifen sind Diagonalreifen noch zu finden.
Die heutzutage üblichen Radial- oder auch Gürtelreifen wurden entwickelt, um eine höhere Haltbarkeit bei geringerem Rollwiderstand zu erzielen. Besonderheiten sind nicht diagonal sondern radial, also im rechten Winkel zur Laufrichtung, angeordnete Karkasseneinlagen.
Eigenschaften und Besonderheiten eines Winterreifens 
Die Hauptunterschiede liegen in der Wahl der Gummimischung und des Laufflächenprofils. Die im Gegensatz zu Sommerreifen weichere und elastischere Gummimischung sorgt für mehr Haftung des Winterreifens bei niedrigeren Temperaturen. Einen Winterreifen können Sie auch an den gewöhnlich größeren Stollen mit weiteren Abständen erkennen. Weiterhin teilt sich ein Stollen in vielen kleine Lamellen auf, die es dem Reifen erlauben, mehr Haftung in Schnee und Eis aufzubauen.
Gesetzliche Regelung für Winterreifen Wie Sie sicherlich bereits wissen, gibt es seit 2010 in Deutschland bei Eis, Glätte und Schneematsch eine Winterreifenpflicht. Entgegen der landläufigen Meinung, Winterpneus erkennt man am M&S-Zeichen (Matsch und Schnee), sollten Sie darauf achten, dass der Reifen mit einem Bergpiktogramm inklusive Schneeflocke versehen ist.
Das M&S-Symbol ist keine geschützte Kennzeichnung und kann somit auch bei Ganzjahresreifen und sogar Sommerreifen, besonders chinesischer und amerikanischer Fabrikate, gefunden werden. Werden Sie bei Eis und Glätte mit einem solchen Reifen von der Polizei kontrolliert, bestraft der Gesetzgeber Sie mit einem Punkt in der Bußgeldkartei in Flensburg und verhängt eine Strafe bis zu 120 Euro. Weiterhin müssen Sie eine ausreichende Profiltiefe in der Lauffläche von mindestens 1,6mm einhalten. Etwas besser ist jedoch eine Profiltiefe von mindestens 4mm. Liegt die Profiltiefe unter der gesetzlichen Norm, werden 3 Punkte und bis zu 75 Euro fällig.
Die regelmäßige Reifenkontrolle Der Druck eines Winterreifens sollte etwa 0,2 bis 0,3 bar über der Empfehlung des Herstellers liegen, da die Druckerhöhung durch Temperaturzunahme im Winter geringer ist als im Sommer. Dies erhöht die Lebensdauer Ihrer Reifen, verbessert die Fahreigenschaften und senkt den Rollwiderstand und damit den Kraftstoffverbrauch Ihres Fahrzeuges. Bei zu hohem Druck wölbt sich die Lauffläche nach außen und es kommt zum vermehrten Abrieb in der Mitte des Reifens. Mit zu geringem Druck verursachen Sie Walkbewegungen und auf die Dauer einen Reifenschaden.
Die richtige Zeit für den Wechsel
Sie kennen sicherlich auch die Sieben-Grad-Regel, die mehr Haftung eines Winterreifens bei Temperaturen unter 7° C verspricht. Der Effekt ist inzwischen allerdings widerlegt. Denn auch bei Temperaturen kurz über dem Gefrierpunkt erreichen Sie mit einem Sommerreifen kürzere Bremswege als mit Winterreifen. Nichtsdestotrotz sollten Sie die Witterung genau im Auge behalten und sich an die heute übliche Oktober-bis-Ostern-Regel halten. Ist die Gefahr von Eis und Schnee gegeben, müssen Sie auf jeden Fall auf Winterreifen wechseln. Steigen die Temperaturen wieder auf frühlingshaftes Niveau an, verschlechtern Winterreifen den Fahrkomfort sowie das Bremsverhalten und sollten abmontiert werden.
Führende Automobilclubs empfehlen weiterhin, Winterreifen nach sechs Jahren, auch bei noch ausreichender Profiltiefe auszutauschen, da die Elastizität des Gummis abnimmt. Der Pneu wird spröde. Das Alter eines Reifens erkennen Sie an der DOT-Kennzeichnung, einer vierstelligen Nummer auf der Reifenflanke. Die ersten beiden Ziffern geben die Produktionswoche an, die letzten beiden das Jahr. 2208 bedeutet zum Beispiel, dass der Reifen in der 22. Kalenderwoche im Jahr 2008 hergestellt wurde.
Grundsätzlich müssen Sie bei der Montage auf die Laufrichtung der Reifen achten. Das bedeutet, dass heißt ein rechtsmontierter Reifen immer wieder auf der rechten Fahrzeugseite angebracht werden muss. Es ist allerdings möglich, Reifen von vorn nach hinten zu tauschen. Montieren Sie an der Hinterachse am besten den Reifen mit der größten Profiltiefe.
Die Lagerung des Winterreifens 
Der Druck sollte vor der Lagerung gegenüber der Herstellerempfehlung um 0,5bar erhöht werden, da immer ein langsamer Luftverlust auftritt. Weiterhin wird die Lagerung von Komplettreifen, also mit Felge, liegend übereinander oder aufgehängt am Felgenbaum empfohlen. Reifen ohne Felge sollten Sie stehend lagern und in regelmäßigen Abständen drehen. Wählen Sie für die Lagerung einen kühlen, trockenen und dunklen Ort. Im Sonnenlicht kann der Reifen nämlich vorzeitig altern. Außerdem sind die Reifen von Lösungsmitteln, Lacken oder Ölen fernzuhalten.
Wir hoffen, wir konnten Ihnen mit dieser Kaufberatung einen kleinen Einblick in die Thematik Winterreifen vermitteln und bei der Kaufentscheidung helfen. Wir wünschen Ihnen eine gute Fahrt.